Gebrauchtes Motorrad: wie man erkennt, ob es umgefallen ist

Dass ein Motorrad umgefallen ist, muss kein schwerwiegendes Problem sein. Es hängt davon ab, wie der Sturz abgelaufen ist und was dabei beschädigt wurde. Ein echtes Problem ist es jedoch, wenn der Verkäufer das verschweigt, denn dann weißt du nicht, was sonst noch verborgen wird.
Wie erkenne ich, ob ein Motorrad umgefallen ist?
Hebel. Sie sind meist das Erste, was den Boden berührt. Wenn ein Hebel an der Spitze verkratzt, gebrochen oder von Farbe und Marke her anders als der andere ist, ist das Motorrad auf dieser Seite gestürzt.
Lenkergewichte. Das sind die runden Teile an den Lenkerenden. Sind sie zerkratzt, eingedrückt oder auf beiden Seiten unterschiedlich, ist das ein weiterer klarer Hinweis auf einen Sturz.
Fußrasten. Verkratzte Fußrasten sind normal, wenn der Fahrer in Kurven stark Schräglage fährt. Sind sie jedoch verbogen oder auf einer Seite deutlich stärker abgenutzt, ist das Motorrad umgefallen.
Sturzpads oder Schleifer. Diese Teile, die seitlich am Motorrad herausragen (die sogenannten Slider), sind dafür da, das Motorrad bei einem Sturz zu schützen. Wenn sie verkratzt sind, haben sie ihren Job gemacht. Prüfe, ob das Motorrad welche hat und in welchem Zustand sie sind.
Entscheidend ist bei diesen Punkten, ob die Schäden immer auf derselben Seite liegen. Ein kleiner Parkrempler betrifft oft nur einen Bereich. Ein Umfaller zur Seite beschädigt dagegen gleichzeitig den Hebel, das Lenkergewicht, die Fußraste und die Verkleidung auf derselben Seite. Wenn alle Spuren rechts sind, ist das Motorrad nach rechts gefallen.
Welche weniger offensichtlichen Hinweise verraten einen schweren Sturz?
Verkleidung. Achte auf Kratzer, Risse oder Stellen, die mit Spachtel repariert und anschließend überlackiert wurden. Fahre mit der Hand über die Oberfläche: Man spürt manchmal, was man mit bloßem Auge nicht sieht. Achte auch darauf, ob die Fugen zwischen den Verkleidungsteilen sauber ausgerichtet sind. Wenn ein Teil nicht ganz passt, wurde es möglicherweise nach einem Aufprall ersetzt oder mit Gewalt montiert.
Gabelholme. Kratzer an den verchromten Gabelholmen deuten oft auf einen Aufprall hin. Sind sie verbogen, was sich durch Einfedern der Federung und Beobachten des Weges prüfen lässt, war der Sturz heftig.
Kraftstofftank. Der Tank ist ein teures Teil und schwer zu kaschieren. Hat er Dellen, tiefe Kratzer oder passt die Lackierung nicht zum Rest des Motorrads, hat es einen Aufprall gegeben.
Kühler. Wenn das Motorrad eine Flüssigkeitskühlung hat, schau dir den Kühler an. Ein Kühler mit eingedrückten oder verbogenen Lamellen weist auf einen Frontaufprall hin.
Ein oft übersehener Hinweis: Schau dir den Auspuff an. Bei einem seitlichen Sturz schleift der Auspuff über den Boden. Hat er Kratzer an der Unterseite oder Schleifspuren, ist das Motorrad auf die Seite gefallen. Die Verkleidung kann der Verkäufer vielleicht ersetzt haben, den Auspuff zu kaschieren ist jedoch schwieriger, ohne viel Geld auszugeben.
Wie prüfe ich, ob nach einem Sturz tragende Teile beschädigt wurden?
Gabelbrücken. Das sind die Teile, die die Gabel mit dem Rahmen verbinden. Sind sie verbogen oder leicht verzogen, hatte das Motorrad einen starken Aufprall an der Vorderseite. Zum Prüfen den Lenker gerade stellen und sehen, ob das Vorderrad exakt nach vorn zeigt. Weicht es ab, liegt ein ernstes Problem vor.
Schwinge. Der Arm, der das Hinterrad hält. Prüfe, ob er gerade und sauber ausgerichtet ist. Eine verzogene Schwinge deutet auf einen Sturz auf der hinteren Seite oder einen starken seitlichen Aufprall hin.
Heckrahmen. Das ist der hintere Teil des Rahmens, an dem Sitzbank und Fahrer sitzen. Bei manchen Motorrädern ist er ein separates Bauteil und kann sich bei einem Sturz verbiegen, ohne dass man es auf den ersten Blick erkennt. Achte darauf, ob die Sitzbank gut einrastet und ob das Heck des Motorrads gerade steht.
Um zu prüfen, ob die Gesamtausrichtung stimmt, suche einen ebenen und geraden Untergrund. Wenn das Motorrad bei langsamer Fahrt geradeaus läuft, ohne den Lenker zu berühren, sollte es die Spur selbst halten. Zieht es ständig zu einer Seite, liegt wahrscheinlich ein Geometrieproblem vor, das von einem Sturz kommen kann. Das ist kein endgültiger Beweis, aber ein guter Hinweis.
Wann ist ein Sturz ein ausreichender Grund, das Motorrad nicht zu kaufen?
Ein Sturz bei niedriger Geschwindigkeit, der nur optische Spuren hinterlassen hat, ist kein Drama. Ein Sturz mit hoher Geschwindigkeit, der Rahmen, Gabelbrücken oder Schwinge verzogen hat, schon. Den Unterschied erkennst du, wenn du weißt, worauf du achten musst.
Hat das Motorrad verkratzte Slider, reparierte Verkleidung und vielleicht einen ersetzten Hebel, aber alles passt gut und die Lenkung läuft gerade, war der Sturz vermutlich langsam. Wenn die Gabel nicht gleichmäßig einfedert, die Lenkung zu einer Seite zieht oder die Sitzbank nicht sauber sitzt, war der Aufprall stärker und die Folgen können dauerhaft sein.
In diesem Fall ist das Motorrad nicht zwangsläufig ein Ausschlusskriterium, aber der Preis muss das widerspiegeln. Ein Motorrad mit Strukturschäden, die nicht fachgerecht repariert wurden, ist deutlich weniger wert als eines ohne Unfall. Wenn der Verkäufer den Preis nicht senken will, ist er über den tatsächlichen Zustand nicht ehrlich. Bedenke wie viel es wirklich kostet, ein gebrauchtes Motorrad wieder in Schuss zu bringen, bevor du einen Preis akzeptierst.
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